„Kaufberatung“ alter Troll

Touringthemen, .... aber bitte nicht alles ernst nehmen hier!
Jana_Troll
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„Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von Jana_Troll » 19.01.2020, 22:32

Liebe Eriba-Kenner,

mir wurde hier vorhin schon unfassbar schnell geholfen - vielen Dank nochmal!
Kurz:
Wir sind sehr unerfahren, aber sehr verliebt in den Eriba Troll. Bisher immer mit Zelt unterwegs, suchen wir mit zwei kleinen Kindern und überschaubarem Auto etwas mehr Ordnung, Platz und Komfort. So schön es auch war, aber das „Wühlen in Taschen“, Schlafen auf sandigen Isomatten und Kochen bei Sturm werde ich vorerst nicht vermissen. Außerdem haben wir immer 3 h das Auto bepackt, da wir jeden Kubikmillimeter gebraucht haben, was einen spontanen Ortswechsel sehr ungemütlich gemacht hat.

Wir sind gerne bereit etwas nachzubessern, aber wir können hier leider keine Kernsanierungen durchführen.
Nächste Woche schauen wir uns einen Troll (1982) an und nehmen ihn gleich mit, wenn alles passt. Bis dahin ist er für uns freundlicherweise reserviert.

Ein Bekannter meinte jetzt, er würde anhand der Fotos Hinweise auf Feuchtigkeit in den Zwischenwänden (Dunkler Fleck an Bespannung innen) und im Hubdach (Delle von innen gesehen im Dach) sehen. Gibt es letzteres überhaupt?

Außerdem scheinen Dichtungen „schwarze Leisten“ zu fehlen? (Foto) Oder sehe ich das falsch?Bedeutet das, dass der Troll sehr sicher feucht ist?



Habt ihr noch Hinweise/Tipps? Müsste man das riechen, wenn feucht? Kann man den PVC Boden anheben und drunter schauen ohne etwas groß zu zerstören?


Danke!
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yoho
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von yoho » 20.01.2020, 01:40

Während ich warte, bis sich mein Studio PC zu voller Leistung aufschwingt, versuche ich mal eine erste Antwort auf Deine Frage. Und bevor ich jetzt hier selber anfange eine Kaufberatung zu schreiben, verweise ich auf die ausführliche und reichhaltig bebilderte Kaufberatung von Björn.

https://transitfrei.de/campingeinsteige ... ebersicht/

Da wirst Du sicherlich Antworten auf viele Deiner Fragen finden. Auch wenn das eine Kaufberatung für "Koffer-Wohnwagen" ist, lässt sich das meiste auf einen Touring übertragen. Einziger Unterschied: viele, vor allem ältere "Koffer", haben in den Wänden ein (faulendes) Holzgerüst und die Möbel erfüllen oft eine tragende Funktion. Sprich, ohne Möbel fällt das Teil - nach einiger Zeit - wie ein Kartenhaus zusammen.
Der Touring hat im Unterscheid dazu ein (rostendes) Stahlrohrgerüst und auf die Möbel kann er auch verzichten. Der hält auch ganze ohne Inneneinrichtung zusammen.

Du solltest Dir für Björns Seite aber etwas Zeit gönnen und besonders diesem Kapitel große Aufmerksamkeit schenken:

https://transitfrei.de/campingeinsteige ... n-pruefen/

Bei zwei kleinen Kindern heißt das vermutlich: Nachtschicht!

Ein zusätzlicher Tipp: wenn Du Deinen Wohnort (großräumig reicht völlig) angibst und nett fragst, findet sich vielleicht jemand, der Dich zur Besichtigung des Troll begleitet. Hier gibt es viele Leute mit viel Wissen und manche davon sind im Rentanalter, also zeitlich etwas flexibler als das bedauernswerte schaffende Volk, zu dem auch ich mich zählen muss.

Apropos... jetzt leuchten hier alle Lämpchen auf dem Mischpult und der Bildschirm hat ein Bild. Ich muss noch was tun.

Ollerzausel
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von Ollerzausel » 20.01.2020, 07:50

Mit dem einen Bildchen wird eine Ferndiagnose noch schwerer, als sie ohnehin schon ist. Bitte mehr und größere Fotos zeigen, auch von unten und innen. Was ist zu sehen? Oben Regenstreifen an untypischen Stellen. In der Mitte fehlt der Leistenfüller. Der hat aber nur ästhetische Funktion und dichtet nix.
Unterwegs mit Troll 555 und Jeep Commander, beide aus 2006.
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von trolloholic » 20.01.2020, 08:59

Moin

ich würde, wie von yoho empfohlen, ein Rentier von hier :D mitnehmen.
Die wenigsten beißen.
Ollerzausel hat geschrieben:
20.01.2020, 07:50
Mit dem einen Bildchen wird eine Ferndiagnose noch schwerer, als sie ohnehin schon ist. Bitte mehr und größere Fotos zeigen, auch von unten und innen. Was ist zu sehen?
korrekt!

ist das der hier ?

Mir war der nonkonformistische, ja geradezu "keck" wirkende Truma- Abzug aufgefallen. Kann aber okay sein.

Wünsche ein glückliches Händchen! :thumbs:

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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von Jana_Troll » 20.01.2020, 11:12

Vielen vielen Dank!

Das werde ich mir alles in Ruhe durchlesen! Wirklich sehr lieb!

Wo frage ich denn am besten nach einem "Rentier" zum Mitanschauen?

@trolloholic: Ja, genau das ist das schöne Stück. Ich habe mich nicht getraut, mehr Fotos einzustellen, da sie ja nicht von mir gemacht wurden. Fotos vom Unterboden gibt es leider nicht, ist aber laut Aussage alles in einem gepflegten und nicht-feuchten Zustand. Aber das ist ja leider immer sehr subjektiv.

Ich stelle noch einmal den Link ein https://www.ebay-kleinanzeigen.de/s-anz ... 8-220-1638, das müsste ja erlaubt sein.

Über Einschätzungen freue ich mich oder Tipps, worauf wir bei der Besichtigung bei diesem Exemplar nochmal genauer achten sollten.

Untypische Regenspuren klingt ja leider schon einmal nicht so gut. Die Zierleisten kann man sicher noch nachkaufen/ausbessern(?).

Vielen lieben Dank!

Jana
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von yoho » 20.01.2020, 11:31

Untypische Regenspuren klingt ja leider schon einmal nicht so gut.
Da zitiere ich mal Björn: "Schwarze Regenstreifen. Hässlich, hartnäckig zu säubern, aber vollkommen harmlos."
Die Zierleisten kann man sicher noch nachkaufen/ausbessern
Der Leistenfüller ist Schmuckwerk. Falls er fehlen sollte, kannst Du ihn natürlich nachkaufen. Sogar in verschiedenen Farben.

Jana_Troll
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von Jana_Troll » 20.01.2020, 12:03

Toll, danke :thumbs: !

Mir gefällt er wirklich sehr sehr gut und ich würde auch gerne Dinge aus-/nachbessern.
Nur ein "Feuchtbiotop", bei dem am Ende nur das Stahlgerüst bleibt, würde ich ungern kaufen. :wink:
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yoho
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von yoho » 20.01.2020, 12:55

Da ich gerade Pause mache (alle anderen machen das jetzt auch und keiner geht ans Telefon), habe ich mal die Bilder des Verkäufers durchgeklickt.
Und okay, jetzt wird es pingelig:

Die Tür hat unten einen silbernen Streifen. Ist das bei einem Brownie normal oder wurde da beigegurkt? (Das weiß bestimmt jemand aus dem Forum, der/die auch einen Brownie hat.)

Die Dichtmasse, die unter der rechten Rückleuchte hervorquillt, macht mich stutzig. Nimm mal Innen das Polsterteil raus und wirf einen Blick auf die Innenverkleidung im Lampenbereich, ob da Wasser rein gelaufen ist. Wenn ja, würde ich den Boden an der Stelle sehr genau untersuchen. Wie das geht, kannst Du in dem Link nachlesen, den ich weiter Vorne eingestellt habe. Und nicht den Autoschlüssel zum Stochern von unten nehmen. (Diese modernen Dinger vertragen das nicht mehr in jedem Fall.)

Auch der Gaskasten sieht am unteren Rand beigeflickt aus. Oder (Frage an das Forum) ist das Serie? Wenn das nicht Serie ist, würde ich mich fragen, was noch alles weggegammelt ist. (Oder wie schwer der Unfall war.)

Es gibt keine Fotos vom Unterboden. Also: Taschenlampen mitnehmen, alte Decken einpacken (oder Klamotten anziehen, die auch eine Grundberührung vertragen) und - ganz wichtig - die rosa Brille absetzen, bevor ihr unten den Wagen krabbelt.

Die Fenster haben keine Vorhänge. Falls Du beim Campen auch nur ansatzweise Wert auf etwas Privatsphäre legst, musst Du welche nähen (das braucht Zeit und Kenntnisse, die Du eventuell nicht hast) oder welche nähen lassen (das kostet zusätzlich Geld). Solltet ihr jedenfalls mit einkalkulieren. Kinder schlafen außerdem (manchmal) länger, wenn ihnen nicht die Morgensonne voll ins Gesicht scheint.

Der Verkäufer soll den Wohnwagen ein paar Stunden vor eurer Besichtigung an eine Steckdose anschließen und den Kühlschrank einschalten. Dann könnt ihr kontrollieren, ob der funzt. Mit Ersatzteilen wird es bei dem Baujahr nämlich schwierig. Und Campingkühlschränke sind teuer.

Und auch wenn das extrem pingelig wirkt; kontrolliert, ob die Innenleuchten funktionieren. Ich habe mal nach dem Kauf eines älteren Tourings ein flüchereiches Wochenende damit verbracht, die völlig verbastelte Elektrik in einen Zustand zu versetzen, der - zumindest ansatzweise - das Prädikat "funktioniert und ist sicher" verdient.

Die Taubertaler
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von Die Taubertaler » 20.01.2020, 13:02

Der Streifen an der Türe könnte Alufrass verdecken.
Am Heck des Eribas sieht es aus als wenn da schon mal jemand mit Farbe dran gegangen wäre.
Sieht man an dem braunen Streifen. WARUM?

LG Andreas
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von Roman » 20.01.2020, 13:08

Hab auch Pause. :) Die Kiste sieht auf den Bildern ganz ordentlich aus. Wasserschäden kann ich keine erkennen. Problem: Die müssen nicht erkennbar sein. Die Bespannung innen ist aus Kunstleder, vollkommen wasserdicht. Das Wasser, was oben irgendwo reinläuft, sichkert hinter der Bespannung nach unten und muss nirgendwo zum Spuren hinterlassen. Meine war von hinten ganz verschimmelt, von außen, also dem Wageninneren, war nichts erkennbar. Gerochen hat der Wagen auch nicht. Zumindest nicht übermäßig, nichts, was nicht einem alten Wohnwagen zuzuschreiben ist. Das Wasser zieht dann unter dem PVC in den Sandwichboden. Der besteht aus 5mm Sperrholz, 25mm Styropur und unten wieder 5mm Sperrholz. Wenn der von oben gammelt, gibt die obere Sperrholzschicht nach. Man nennt das dann freundlich: der Boden ist weich. Weich ist ein Euphemismus für verfault. Du musst also innen den Wagen abtasten, ob du unter dem PVC irgendwo 'weiche' Stellen findest, die treten natürlich am Rand zuerst auf. Nehmt was zum drauflegen mit, eine Isomatte oder Pappe. Um den Wagen geht untenrum einmal der Hilfsrahmen herum. Daran ist unten die Aluaußenhülle und die silberne Aluleiste (Kederleiste) geschraubt. Der Rahmen ist aus 20mm x 20mm x 1mm Stahlrohr. Den müsst ihr abklopfen. Wenn der durch ist, was leider sehr oft der Fall ist, wird das eine Großbaustelle (Möbel raus, Boden raus, schweißen...). Achtet auf das Dach! Wenn dort so schwarze Dreck-Flecken drauf sind, die wie Abplatzer in der glatten Oberfläche aussehen, ist höchste Vorsicht geboten. Die sind Stecknadelkopf-groß und Löcher im Gelcoat, so nennt sich die obere glatte Schicht auf dem GFK. Man nennt das Problem Osmose, Bootsbauer haben das oft. War bei mir der Fall, das Wasser ist dort reingelaufen, das Dach war undicht wie ein Sieb.

Die Motivation für unseren Trollkauf damals vor 12 Jahren war die gleiche wie bei euch. Danach hatte ich ein neues Hobby. Nur zur Warnung. Hat sich aber gelohnt, auch von den Urlauben her.
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von Jana_Troll » 20.01.2020, 13:27

Ohje, vielen Dank. Das Übersteichen des Hecks habe ich jetzt auch gesehen. Könnte schlimmstenfalls ja ein Auffahrunfall gewesen sein.
Der Alustreifen an der Tür scheint anderen Fotos des Jahrgangs zufolge NICHT die Regel zu sein. Wenn das Alu dort zerfressen wurde, stand der Wagen vermutlich sehr lange und sehr feucht, oder? :-(

Vielen lieben Dank auch an Yoho! Der Unterboden wird sehr genau inspiziert werden. Und meintest Du die schwarze Masse oberhalb des rechten Rücklichtes? Könnte das auch einfach „Schmodder“ sein?

Kann man den PVC Boden eigtl einfach anheben oder ist der irgendwie verklebt?

Und die Innenbespannung? Ich hatte etwas von Tackern am Boden lösen gelesen...

Danke!
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Roman
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von Roman » 20.01.2020, 13:28

yoho hat geschrieben:
20.01.2020, 12:55
Die Tür hat unten einen silbernen Streifen. Ist das bei einem Brownie normal oder wurde da beigegurkt? (Das weiß bestimmt jemand aus dem Forum, der/die auch einen Brownie hat.)
Ist bei meiner nicht. Aber! - die Karre ist bald 40 Jahre alt, da gibt es ab und an mal was zu reparieren. Die Tür rottet unten schnell weg, meine musste ich auch schon flicken. Das ist aber für den Gesamtstatus irrelevant, weil aus der Tür kein Wasser in den Restwagen laufen kann.

Die Dichtmasse, die unter der rechten Rückleuchte hervorquillt, macht mich stutzig. Nimm mal Innen das Polsterteil raus und wirf einen Blick auf die Innenverkleidung im Lampenbereich, ob da Wasser rein gelaufen ist. Wenn ja, würde ich den Boden an der Stelle sehr genau untersuchen. Wie das geht, kannst Du in dem Link nachlesen, den ich weiter Vorne eingestellt habe. Und nicht den Autoschlüssel zum Stochern von unten nehmen. (Diese modernen Dinger vertragen das nicht mehr in jedem Fall.)
Das wird bei dem Wagen nichts nutzen, denn die Bespannung ist aus Kunstleder, die ist absolut wasserdicht nach innen. Auch hier finde ich Reparaturen am Rücklicht für das Alter normal. Auf eine vernünftige Abdichtung muss man sich dann halt verlassen. No risk, no fun.

Auch der Gaskasten sieht am unteren Rand beigeflickt aus. Oder (Frage an das Forum) ist das Serie? Wenn das nicht Serie ist, würde ich mich fragen, was noch alles weggegammelt ist. (Oder wie schwer der Unfall war.)
Der Gaskasten ist ein schlichter Blecheimer. Der wird einfach von außen auf einen Käfig gesteckt, in dem die Gasflaschen stehen. Dort gibt es keinerlei Verbindung nach innen. Ein paar Beulen sind normal, man kann sogar froh sein, dass es den überhaupt noch gibt. Der geht meist als erstes fliegen. Reiner Schönheitsfehler.

Es gibt keine Fotos vom Unterboden. Also: Taschenlampen mitnehmen, alte Decken einpacken (oder Klamotten anziehen, die auch eine Grundberührung vertragen) und - ganz wichtig - die rosa Brille absetzen, bevor ihr unten den Wagen krabbelt.

Die Fenster haben keine Vorhänge. Falls Du beim Campen auch nur ansatzweise Wert auf etwas Privatsphäre legst, musst Du welche nähen (das braucht Zeit und Kenntnisse, die Du eventuell nicht hast) oder welche nähen lassen (das kostet zusätzlich Geld). Solltet ihr jedenfalls mit einkalkulieren. Kinder schlafen außerdem (manchmal) länger, wenn ihnen nicht die Morgensonne voll ins Gesicht scheint.
Vorhänge nähen ist nun, was Näharbeiten betrifft, sicherlich das einfachste überhaupt. Die Nähte müssen ja weder gerade noch auf den Zentimeter genau sein. Davon würde ich keinen Kauf abhängig machen. Wir haben die in unserem Wagen damals sofort rausgeworfen, obwohl die 1A gewesen sind. Uns hat das Dekor nicht gefallen.

Der Verkäufer soll den Wohnwagen ein paar Stunden vor eurer Besichtigung an eine Steckdose anschließen und den Kühlschrank einschalten. Dann könnt ihr kontrollieren, ob der funzt. Mit Ersatzteilen wird es bei dem Baujahr nämlich schwierig. Und Campingkühlschränke sind teuer.

Und auch wenn das extrem pingelig wirkt; kontrolliert, ob die Innenleuchten funktionieren. Ich habe mal nach dem Kauf eines älteren Tourings ein flüchereiches Wochenende damit verbracht, die völlig verbastelte Elektrik in einen Zustand zu versetzen, der - zumindest ansatzweise - das Prädikat "funktioniert und ist sicher" verdient.
Ich halte den Preis für nicht zu hoch. Ich würde nicht zu pingelig an den Kauf gehen. Das ist ein oller, steinalter Wohnwagen. Wenn der dicht ist und technisch einigermaßen OK, ist er es wert. Eine Kompressorkühlbox gibt es für unter 300 Euro, die kühlt allemal besser als das Ding da und kann ins Auto gestellt werden. Anstelle des Kühlschranks kommt ein Vorhang hin und fertig ist der Schuhschrank. Der Kühlschrank dürfte das schwerste Gerät im Wagen sein, wenn der rausfliegt, erhöht das die Zuladung prozentual deutlich. 3.5 k ist zwar ein Haufen Geld für einen alten Wohnwagen, aber für einen Touring nicht.

Die 900kg Gesamtgewicht haben zwar den Nachteil, dass man weniger Kram reinpacken kann, aber dafür zieht er sich leichter, wenn der Zugwagen nicht der potenteste ist. Ich las hier irgendwo was zwischen den Zeilen.
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von Roman » 20.01.2020, 14:00

Jana_Troll hat geschrieben:
20.01.2020, 13:27
Ohje, vielen Dank. Das Übersteichen des Hecks habe ich jetzt auch gesehen. Könnte schlimmstenfalls ja ein Auffahrunfall gewesen sein.
Ein Auffahrunfall wäre egal, denn es sieht ja repariert aus. Immer dran denken, das ist kein Auto. Die Stahlkäfige hast du ja schon gesehen. Die Kiste ist total primitiv aufgebaut. Ein (nicht wirklich präzise) geschweißter Stahlkäfig, auf den außen ein dünnes Alublech draufgeschraubt ist. Dazwischen wird eine Styroporplatte geklemmt und innen Kunstleder gespannt. Styropor und Stahlprofile kannst du durch das Leder fühlen. Wenn da jetzt einer hinten reindengelt, dann schmeißt man das kaputte Alublech weg, schneidet die verbogenen Stahlprofile raus, schweißt neue rein und schraubt neues Alublech drauf. Dann ist der Wagen wieder so wie vorher. Bei Wohnwagen passieren übrigens Rempler viel schneller als beim Auto. Werden ihr auch noch merken. Ich wette einen Kasten Kölsch, dass ihr selbst einen reinfahrt auf der ersten Reise.

Gedichtet wird der ganze Mist durch sogenannte Butyl-Dichtmasse. Das ist eine klebrige, schwarze Pampe. Das ist ab Werk passiert. Und immer, wenn man was an der Karosserie schraubt und macht, drückt man eine Ladung davon zwischen die neuen Bleche, z.b. hinter das Rücklicht und vorallem in die Bohrlöcher. Meist quillt was davon raus und über. Das ist das schwarze Zeug, was auf dem Bild hinter dem Rücklicht hervorquillt. Da hat halt mal einer ein neues eingebaut, z.B. weil ihm das einer abgefahren hat, und mit der Dichtmasse nicht gespart. Was ein gutes Zeichen ist.

Wie oben schon geschrieben, das ist ein gebrauchter, alter Wagen von bald 40 Jahren für 3,5k Euro. So viel kostet ungefähr ein Sommerurlaub von uns.

Der PVC war bei uns nicht geklebt, bei anderen aber schon. Das Kunstleder ist unten mit einer Kunststoffleiste auf den Boden (durch den PVC) getackert. Man kann die Tackernadeln rausziehen, dahinter gucken und den PVC hochheben. Allerdings kommt man meist schlecht ran, weil entweder Schränke, Geräte (Heizung, Kühlschrank) davorstehen, oder aber die Lüftungsrohre der Umluft drüberliegen. Wenn es eine Umluft gibt.
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von Ollerzausel » 20.01.2020, 14:07

Nach den Bildern scheint er jedenfalls ne gute Grundlage für eine Renovierung zu bilden.

Meine Meinung: Ein fast vierzig Jahre alter Touring hat entweder immer trocken gestanden, ist irgendwo gammelig, oder bereits irgendwo repariert. Deshalb kann der Blechstreifen an der Tür ein gutes und ein schlechtes Zeichen sein. In den Türen mit Rahmen kann sich unten Wasser sammeln und das Unterteil rostet weg (siehe Restaurationsabteilung hier im Forum). Wenn aber die Tür schon mal repariert werden musste, könnte auch der Hilfsrahmen Schäden haben. Entweder sind die schon beseitigt - das wäre gut - oder die Arbeiten warten auf den Käufer. Von der Vorstellung, diesen Wagen zu kaufen, ihn mal kurz durchzuputzen, Gardinen dran und in den Urlaub fahren, würde ich nicht ausgehen. Den sollte jemand kaufen, der handwerklich nicht völlig unbeleckt ist und auch Platz, sowie Möglichkeiten hat, selbst was zu basteln. Für diesen Preis sollte er bei dem Alter eigentlich "reisefertig" i.e.S. sein. Das wird er aber nicht. Allerdings sind Touring-Preise ohnehin ein eigenes Kapitel. Ein Odin hat 1981 etwa 17,5 kDM gekostet. Mag der Troll bei 13 oder so gelegen haben. Das Angebot dürfte also etwa den halben Neupreis aufrufen. Nicht schlecht!
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von Roman » 20.01.2020, 14:35

Wobei die Preise nur erstaunlich sind, wenn man sie mit dem Wertverfall von Autos vergleicht. In Relation zu Immobilien sieht es anders aus. Ein Touring ist ja so ein Zwitter zwischen Mobil und Immobilie. Zwar fährt er herum, aber im Vergleich zum Auto eher wenig. Meist steht er und dann auch noch geschützt. Im Prinzip kann der Wagen ewig halten durch seinen simplen Bau - ähnlich wie ein Haus. Ein 40 Jahre altes Haus wird - entsprechende Lage vorausgesetzt - heute unrenoviert mehr kosten als als Neubau seinerzeit. Obwohl dann noch viel Geld reingesteckt werden muss. Ein Touring muss halt auch alle paar Jahrzehnte renoviert werden.
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