„Kaufberatung“ alter Troll

Touringthemen, .... aber bitte nicht alles ernst nehmen hier!
Jana_Troll
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von Jana_Troll » 24.01.2020, 11:15

Vielen lieben Dank an alle nochmal für die tollen Tipps und die Hilfe!

Morgen schauen wir ihn uns an und ich hoffe, dass er nicht feucht und soweit in Ordnung ist, dass wir ihn mitnehmen können :thumbs: .
Dann hätten wir ein tolles, neues Familienmitglied :mrgreen:, das nach Reparatur und viel Pflege mit uns auf Reisen gehen darf.

Viele liebe Grüße,

Jana
seit Feb. 2020 mit GrollTroll LM '89

Feger ETC 421
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von Feger ETC 421 » 25.01.2020, 17:34

So, ich schreib jetzt mal was dazu.

Der Troll wurde heute besichtigt und ist da geblieben.

Der aufgerufene Preis ist mehr so Makulatur und gibt den reellen Zustand nich wieder.

Einziger Lichtblick aus meiner Sicht, es iss ne 1000 kg Achse drunter.

Ich denke, Jana wird auch noch etwas dazu schreiben.

Gruß, der Feger
Neuerdings unterwegs mit einem Dethleffs Tourist HD 460 V
In Touringsprache könnte er ein "Titan lmt" sein

Triton Uwe
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von Triton Uwe » 25.01.2020, 18:14

Das nenn ich mal Engagement! Mal eben ein paar Kilometer spülen für ne Besichtigung!

Jana_Troll
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von Jana_Troll » 25.01.2020, 19:44

Hallo :wink: ,

Feger hat das schon sehr gut und kompakt umschrieben.

Ich fand den Troll toll, die Möbel und Polster waren noch sehr hübsch anzusehen und schön „original“.
Er war ja auch recht günstig und so schön alt und das bisschen Schmutz und Rost...den nehmen wir!

Ohne rosarote Brille:

- der Hilfsrahmen war an mehreren Stellen vollkommen hinüber und schön dick mit schwarzer Masse überstrichen
- der Unterboden war stellenweise ebenfalls weich und rechts im Heckbereich unter den Polstern habe ich sogar eine kleine Pfütze gefunden :shock:
- das Dach hatte mehrere Löcher und Osmoselöcher (Wir haben ohne Leiter vermutlich nicht mal alle gesehen) und von Innen in der Verkleidung ein Loch. Der dadurch sichtbare Schaumstoff(?) innen war schon sehr dunkel (= modrig?).
- das Bugfenster neben der Tür hat ein Loch und hat schon etwas vor sich hingemodert
- leicht modrig war auch die Kunstlederbespannung innen links hinter den Bugpolstern
- Kabelsalat unter den Heckpolstern. (Wo verlaufen die Kabel eigentlich sonst in den älteren Tourings?)
- die Aluaußenhülle hatte natürlich auch die ein oder andere Schramme/Delle, war aber ansonsten noch ok. Nur unter dem Heckfenster waren im Alu 3 Minilöcher, wo wohl mal ein Schild hing.

Inwieweit die Geräte etc. noch funktionieren, haben wir dann gar nicht mehr getestet. (An der Heizung war nur der rechte „Regler“ vorhanden. Links war ein Loch)

Genau, 1000 kg Achse, Auflaufbremse bis 1300 kg, Reifen erst 5 Jahre alt. Hubdachstoff wurde erneuert, hatte aber Stockflecken und wie schon vermutet keine Lüftungsdreiecke.

Der Preis war verhandelbar, aber ist trotzdem noch zu hoch angesichts der Mängel. Aber je nach Erfahrung und Möglichkeit vielleicht doch interessant für einen Bastler?

-> ein an sich wirklich schöner Troll und mir blutet immer noch das Herz, aber leider haben wir aktuell keine Möglichkeit (Platz) ihn „nackig“ zu machen und vollkommen zu restaurieren. Lust hätten wir schon sehr gehabt!

Hoffentlich findet er ein schönes Plätzchen und wird wieder hergerichtet.

Feger war uns eine Wahnsinnshilfe und hat sofort die relevanten Mängel aufgespürt! Vielen vielen Dank nochmal! Ich konnte an diesem „Negativbeispiel“ durch Dich sehr viel lernen und finde so hoffentlich den richtigen Troll für uns!

Viele liebe Grüße,

Jana
seit Feb. 2020 mit GrollTroll LM '89

yoho
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von yoho » 25.01.2020, 21:19

Wo verlaufen die Kabel eigentlich sonst in den älteren Tourings?
Bestenfalls unten dem Boden und unter der Verkleidung. Hab ich auch schon gesehen.

Üblicherweise irgendwo. - Wobei ich nicht weiß, wie das ab Werk gehandhabt wurde.

Ich habe mal einem Jaguar aus den siebziger Jahren hinters Armaturenbrett geschaut (mein Auto-Meister ist farbenblind und holt mich bei komplexeren Elektroarbeiten schon mal dazu) und da waren Kabel diverser Farben bunt gemischt, kreuz und quer reingequetscht und mit Lüsterklemmen verbunden. Hartnäckiges Nachfragen in einem Markenclub brachte zu Tage: das ist nicht verbastelt. Das war ab Werk so. - (Das Auto ging zurück an den Kunden. Unrepariert.)

Ich hoffe mal, dass die Standards in Bad Waldsee etwas höher angesetzt wurden.

Triton Uwe
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von Triton Uwe » 25.01.2020, 22:18

DSCI2249.JPG
Hier ein Beispiel der Originalkabelführung. Ein Feuerlöscher im Hintergrund wäre angesagt :lol:
Gut das du den Feger dabei hattest.
Auch bei meinem waren viele Strippenzieher im Hintergrund...
Dateianhänge
DSCI1713.JPG

Jana_Troll
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von Jana_Troll » 26.01.2020, 16:02

Sehr interessant, vielen Dank!
Im Nachhinein ist eine Kabelführung unter der Sitzecke sicher nicht unpraktisch :mrgreen: . Wenn wir (hoffentlich) noch einen schönen alten Troll finden, sollten die Kabel nach 30/40 Jahren ja auch irgendwann mal ausgetauscht werden :thumbs: .
Wenn sie dann im Boden bzw. hinter der Wandverkleidung verlaufen -> muss ich dann doch alles aufmachen oder ist das machbar?

Woraus besteht eigentlich genau die Wandverkleidung der alten Modelle? Laut altem Katalog:
1. Aluaußenhaut
2. Styropor zwischen den Stahlteilen
3. nochmal eine durchgehende Styroporschicht
4. Innenverkleidung Hartfaserplatte beschichtet, abwaschbar (außer beim Puck)

Also doch nochmal eine Art Platte zwischen Innenbespannung und Styropor? Der Troll gestern hatte irgendwie nur die Kunstlederbespannung und dahinter fühlbar Styropor. Oder variiert das alles auch nochmal?

Der Boden besteht ja aus Sperrholz - Styropor - Sperrholz, oder? Und der sollte auf jeden Fall durchgehend hart sein oder gibt es auch Bereiche, wo man ihn grundsätzlich etwas eindrücken kann?

Und was ist das "Füllmaterial" im Dach? (Das konnte ich gestern durch das Loch in der Decke sehen.) Schaumstoff?


Vielen vielen Dank :thumbs: :thumbs: :thumbs:

und trollige Grüße,

Jana
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Roman
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von Roman » 26.01.2020, 16:58

Die alten Touring bis irgendwann in den 80ern sind innen mit Kunstleder bespannt. Die Hartfaserplatten kamen danach. Der Tausch der Stromkabel ist ein aufwändiges Unterfangen, weil die hinter der Bespannung liegen. Du musst den Touring dafür entkernen. Ich hatte meinen entkernt, aber ich habe die alte Verkabelung drin gelassen. Mir ist kein Mangel daran aufgefallen. Es gibt nur Gründe, zusätzliche Kabel einzuziehen. Aber das sind Dinge, um die kannst du dich kümmern, wenn du einen Wagen hast. Vielleicht hat das schon einer der Vorbesitzer gemacht. Die Elektrik der alten Wagen unterscheidet sich stark von der der neueren. Ab wann es den Cut gegeben hat, weiß ich nicht. Bei den neueren gibt es ein zentrales Netzteil, das 230 Volt in 12 Volt Wechselstrom und 12 Volt Gleichstrom wandelt. Von dort gehen 12 Volt Leitungen zu den Lampen (Wechselstrom) und zu der/den Wasserpumpe/n (Gleichstrom), manchmal auch zum Ventilator der Umluft. Mit 230 Volt Landstrom wird neben dem Netzteil nur der Kühlschrank, ein paar Steckdosen und manchmal die Umluft betrieben. Der Kühlschrank kriegt noch 12 Volt vom Auto. Außerdem geht eine zweite 12 Volt Leitung vom Auto zum zentralen Netzteil, so dass die Lampen ohne Landstrom mit der Autobatterie betrieben werden können.

Bei den alten Wagen, wohl auch dem, den du angeschaut hast, ist die Elektrik viel primitiver. Es gibt kein Netzteil, das 230 Volt in 12 Volt wandelt. Im Wagen verlaufen drei vollkommen getrennte Stromkreise. 230 Volt, das zu allen Lampen läuft, zum Kühlschrank, ein paar Steckdosen und, falls vorhanden, zur Umluft. Daneben gibt es den 12 Volt Kreis, der geht auch zu allen Lampen und zum Kühlschrank. Die Lampen haben zwei Birnen und zwei Schalter jeweils für 12 und 230 Volt. Dieser 12 Volt Kreis bekommt seinen Strom ausschließlich vom Auto, und zwar über die Leitung der Nebelschlussleuchte, weil es bei den damaligen Steckern keine Möglichkeit für eine zusätzliche Stromversorgung gab. Damit hast du nur 12 Volt im Wohnwagen, wenn die Nebelschlussleuchte eingeschaltet wird. Das kann man während der Fahrt machen, damit der Kühlschrank läuft, aber um abends auf dem Rastplatz ein bisschen Licht im Wagen zu haben, geht das gar nicht. Der dritte Kreis besteht aus zwei Lampenbatterien, mit denen die Wasserpumpe betrieben wird. Lange Rede, dass ist natürlich alles ziemlich unpraktisch, darum haben in den Jahrzehnten die meisten Besitzer irgendwas gebastelt. So was dürfte auch der Kabelverhau gewesen sein, den du da bei der letzten Besichtigung gesehen hast.

Das Zeug im Dach ist Schaumstoff. Wenn du Löcher im Dach hast, die berüchtigte Osmose, dann saugt der sich voll und stinkt wie ein alter Küchenschwamm. Ich hatte das Vergnügen.
Achte immer auf den Horizont!

Feger ETC 421
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Re: „Kaufberatung“ alter Troll

Beitrag von Feger ETC 421 » 26.01.2020, 20:34

Roman hat geschrieben:
26.01.2020, 16:58
Das Zeug im Dach ist Schaumstoff. Wenn du Löcher im Dach hast, die berüchtigte Osmose, dann saugt der sich voll und stinkt wie ein alter Küchenschwamm.
Durch diese Löcher brauchte das Wasser bei der Größe nicht osmosieren, das konnte ganz einfach reinlaufen.
War mehr Stricknadelkopf als Stecknadelkopf.... :?

Gruß, der Feger
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